Montag, 30. September 2019

Flower-Power


It's so cool to be a Saint
*Text: Monographie Fluegeldoktor, Erinnerungen an ein bewegtes Fliegerleben
Im Garten zwischen Haus G und Haus F des Studentenwohnheims Dauerwaldweg im Eichkamp blühten die Buschrosen. Hunderte von krummstieligen roten Buschrosen. Es stand eine Riverboatparty ins Haus und ich kam auf die Idee den Gastgebern mindestens einen schönen Strauß Rosen zu überreichen. Doch mit Buschrosen läßt sich kein Strauß binden.


Also holte ich meinen großen Pappkoffer, der in diesen Wanderjahren mein sämtliches Hab und Gut in der Lage war aufzunehmen und eine Schere und sammelte solange schön blühende Rosen bis der Koffer randvoll war. Damit machte ich mich auf zum Wannsee um zum angegebenen Zeitpunkt an Bord des Ausflugschiffes zu gehen. Ich erinnere nicht mehr den Anlass für die Riverboatparty, wohl eine Studentenhochzeit oder Semester Abschluss Feier, jedenfalls ein stattliches Fahrgastschiff mit Liveband am Backdeck und jede Menge junges Volk in Feierlaune.

Ich hielt meinen Koffer fest im Griff und schlenderte mal übers Oberdeck, mal über die Tanzfläche, mal den Koffer mit beiden Armen vorm Bauch getragen, mal lässig schwingend am Blechgriff aber nie achtlos irgendwie abgestellt. Das zog fragende Blicke an.

Eine besonders sympathische junge Frau wollte gerne wissen, was denn wohl in diesem so wichtigen Koffer drin sein mag. Ich nutzte die Neugier und ließ mich schon mehrfach bitten bis ich dann mit exklusiver Zuneigung und unter Beachtung eines diskreten kurzen Blicks in den Koffer der Herzensdame eine der schönsten Rosen herausnahm und sie mit einer kleinen Verneigung überreichte. Sofort drehte ich mich um und zog mit meinem Koffer weiter.

Wenn ich bisher nicht wußte, was ich mit dem Koffer voller Buschrosen anfangen sollte, jetzt reifte in mir ein Plan. Ich wollte und konnte ja nicht warten bis ich wieder angesprochen wurde und ich wollte auch nicht riskieren von einem Burschen oder Klicke gestellt zu werden. Die erste Kofferöffnung war diskret genug, daß noch keine Gefahr bestand die Spannung um das Geheimnis zu zerreißen. Ich huschte zielstrebig zur nächsten strahlenden Schönheit um ihr ungeachtet ihrer männlichen Gesellschaft flugs eine Rose zu überreichen und deren Herkunft aus dem Koffer so gut es ging zu kaschieren.

Nach und nach erblühten die Rosen in der Hand von begeisterten Mädels und ich beeilte mich auch an den hinteren Tischen die inzwischen aufmerksam gewordenen Damen zu bedienen. Schließlich setzte die Band ein und die Tanzfläche wurde von den fröhlichen Pärchen gestürmt und ich teilte schon mit vollen Händen aus, griff tief in den Pappkoffer, faßte die meist nur als Blüte gekappten Rosen und warf jetzt tanzend mit Rosenblüten um mich den Koffer endgültig weit geöffnet auf einem Tisch am Rand der Tanzfläche.

Der Ausflugdampfer war über und über mit roten Rosenblüten übersät. Ein toller Anblick. Mir war leicht schwindelig bei der Erkenntnis irgendwie eine gute künstlerische Performance abgeliefert zu haben.

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