Ein afrikanisches Abenteuer mit dem Auto durch Botswana,
Mosambik, Eswatini, Süd Afrika und Namibia
Die Geschichte beginnt mit einer Panne des Toyota PRADO in einer Baustelle, bei der das Auto überhitzt und schließlich abgeschleppt werden muss.
Weitere Herausforderungen machten die Reise zu einem echten Abenteuer und zeigten die Unvorhersehbarkeit und die Notwendigkeit von Flexibilität und
Anpassungsfähigkeit bei Reisen durch Afrika.
Ein Bericht aus der Mitte des Lebens von Sibylle Gilcher und Wolfgang Holstein
Car break down
Von der Tankstelle aus, 20 km weiter in Richtung Osten, mitten in einer
Strassenbaustelle passiert es.
Der Toyota PRADO fängt an zu schwimmen, so als hätten wir uns einen flat tyre
gefangen, geht selbst vom Gas, die Lenkunterstützung schwindet und ich ziehe
spontan von der linken Spur über die Gegenfahrbahn nach rechts raus auf die
Sandbank der Baustelle.
Es scheint, als hätten wir eine Dampfmaschine und keinen Sechszylinder unter
der Haube.
In Namibia, wie auch in anderen südlichen afrikanischen Staaten, wird der
Baustellenverkehr anstatt mit Ampeln mit Flaggenschwenkern geregelt, die
hilfsbereit zusammenlaufen.
„Engine overheat“ ist der gemeinsame Befund.
Dem schließt sich auch ein LKW-Fahrer an, der sehr hilfsbereit gleich mal einige
Plastikkanister voll mit Wasser als Ersatz für das Kühlwasser besorgt, das
offenbar jetzt vollständig verdampft ist und unter dem Fahrzeug eine größere
Wasserlache erzeugt hat.
Der selbe Truck Driver hat auch schon einen Abschleppdienst aus USAKOS
mobilisiert, von dort wo wir vorhin getankt haben, der jetzt auch seine Dienste
anbietet.
Entweder zurück nach USAKOS in seine Werkstatt oder weiter in Richtung Osten
nach WINDHOEK, etwa 200 km in die Hauptstadt von Namibia, wo wir schnellere
Hilfe und vor allem den Zugriff auf nötige Ersatzteile haben können.
Nachdem wir uns über den Preis für die längere Strecke nach Windhoek geeinigt
hatten, entschließt sich der Fahrer doch eben noch den größeren Truck für den
Job zu holen.
Inzwischen habe ich die Wartezeit genutzt und mich beim ADAC, der deutschen
Pannenhilfe erkundigt, welche Unterstützung ich von dort erwarten durfte.
Beim Verladen des Prados auf einen Autotrailer musste die Seilwinde bemüht
werden, der Sechszylinder verweigerte seine Dienste.
Nach gut der halben Strecke auf dem Kalahari Highway meldete sich der Toyota
Hilux des Abschleppdienstes mit “critical high engine temperature” , was zu
allgemeiner Heiterkeit beitrug.
Da wir alle nicht daran zweifeln, dass Toyota zuverlässige Autos bauen kann,
suchen wir nach der Ursache.
Schnell stellt sich raus, der Ventilator dreht sich lose auf der Welle, die Kühlung
hat nur noch Staudrucklüftung, die Zwangsbelüftung bringt keinen Beitrag mehr.
Wir setzen die Fahrt in kürzeren Etappen weiter und kühlen in den
Verschnaufpausen den Motor mit unserem Vorrat an Trinkwasser.
Gegen Abend kommen wir in Klein-Windhoek an, plündern noch kurz einen ATM
um den Schlepper Cash zu bezahlen, liefern den Prado in einer vom Schlepper
empfohlenen Werkstatt ab und lassen uns von ihm in ein nahegelegenes Hotel
verfrachten. What a day! Don’t worry, we help you, so klingt unser car rental
owner aus Botswana und wir entspannen bei Bier im Hotel Restaurant.
Und tatsächlich, am nächsten Morgen, einem hoch sommerlich warmen
Samstag Vormittag erscheint der Freund unseres car rental owners mit seinem
Zweitwagen, einem BMW X3.
Auch er intoniert, don’t worry, you can have my car, just drop me at home and
take it easy. The car rental owner is my very best friend, we are like brothers.
Moonraker Outdoor Adventure Rest Camp
Ein Urlaub, in dem man 15.000 km mit dem Auto kreuz und quer durch die
südlichen afrikanischen Staaten reist, ist keine ReHa. An diesem Wochenende
jedoch brauchen wir Entspannung.
Für diese Accomodation gibt es eine Rezension (von 170) aus Google und diese
spricht vor zwei Jahren einfach nur von: quiet and good for personal reflection.
Die Autowerkstatt hat Wochenende. Die Planung mit dem reparierten Prado,
nach erfolgreicher Reparatur, hat nach längerer Betrachtung ein gewisses Risiko.
Unser Rückflugtermin steht fest und lässt nicht viel Spielraum.
Ich fürchte eine stufenweise Analyse der Schadenstiefe mit jeweils
Unterbrechungen der Reparatur wegen einer Beschaffung weiterer Ersatzteile. Es
ist nicht unbedingt zu erwarten, dass nach Einbau eines neuen Kühlers das
Problem behoben sein wird. So viel habe ich schon sehen können. Der Kühler hat
einen prominenten, mindestens 10 cm langen klaffenden Riss.
Nick, der BMW-Besitzer und Geschäftsführer einer bedeutenden
Diamantschleiferei in Windhoek hat uns zu einer Besichtigung seines
Unternehmens eingeladen. Wir nehmen diesen Termin am Montag gern wahr. So
hat die Werkstatt Zeit einen neuen Kühler bei Toyota zu besorgen und
einzubauen.
Julius Klein Diamonds Namibia
Die Besichtigung der Diamantenschleiferei ist ein besonderes Highlight unserer
vier Monate dauernden Reise in die südlichen afrikanischen Staaten, Botswana,
Mosambik, Eswatini, Südafrika und Namibia.
Die einzelnen Prozessschritte werden fast ausschließlich in Handarbeit getätigt,
gleichwohl kommen Bearbeitungsverfahren wie Laser-Schneiden mit grünem
Laserlicht, Schlichten mittels Scara Robotern, aber auch der Feinschliff und –
ganz entscheidend – das Polieren der Diamanten wird überwiegend von
Frauenhand gemacht.
Werkstatt und Sani Sixt
Nach dem Einbau eines neuen Kühlers war das Overheat-Problem noch nicht
behoben. Auch nicht mit einem neuen Thermostat. Im nächsten Schritt sollte
nun erforscht werden, wie groß der Schaden am Zylinderkopf sein könnte.
Also mieteten wir in Kate’s Nest Guesthouse ein Zimmer und besuchten Joe’s
Bier Haus, das mich an meine Jugend in Berlin-West erinnerte.
Meine Rezension sei hier zitiert:
Ich habe eine starke Erinnerung an die gleichnamigen Lokale in West
Berlin. Trödelschuppen für Touristen mit schlechter Küche. Stimmt perfekt.
Das Schnitzel ist stark paniertes Bauchfleisch, Bratkartoffeln sind nicht als
solche erkennbar. Kudu sieht gut aus, ist aber geschmacklos. Könnte
genausogut aus dem 3D Drucker sein. Immerhin1 Stern für das gezapfte
Weißbier. (zwei Daumen runter)
Wir wollten nicht weiter abwarten und haben zunächst gehofft das Angebot, mit
dem BMW über die Grenze von Namibia nach Botswana zu fahren in Anspruch
nehmen zu können.
Leider hat sich die Ehefrau nicht bereit gesehen auf ihr Auto länger zu verzichten,
wofür wir natürlich nur volles Verständnis haben konnten.
So führte uns der Weg zur Autovermietung Sani Sixt.
What a Business! Eine Stunde Paperwork.
Der Plan:
Einen Toyota Hilux für 5 oder 6 Tage mieten, damit wir bis Gaborone zu unserem
Autovermieter fahren können, der wiederum sollte als second driver den Wagen
5wieder nach Windhoek zurückbringen, um seinen Prado nach fertiggestellter
Reparatur zurückzuführen, oder bei seinem Freund auf die fertiggestellte
Reparatur warten.
Und los.
Wir holen unsere Sachen aus dem Prado in der Werkstatt und machen uns auf
den Weg.
Nun ja. Guter Plan, schlechte Randbedingungen.
Unser Autovermieter bekommt als israelischer Staatsbürger kein spontanes
Visum nach Namibia, müßte drei Wochen darauf warten.
Nun denn. Wir werden wohl den Toyota Hilux in Gaborone zurückgeben und die
teuere one way Mietvertragsversion in Anspruch nehmen. Bei Avis hatten wir
einen Preisvergleich angestellt, one way ist doppelt so teuer wie von A nach A
zurück.
So dachten wir. Aber nein, Sani Sixt ist nicht in Botswana vertreten. What?
Car return in South Africa
Na toll. Wir verabreden uns mit unserem Autovermieter und fahren mit zwei Autos
zur nächsten Rückgabe Station in Rustenburg, Süd Afrika. Hin und zurück 454 km
und, nicht zu vergessen
Tlokweng Border Control in Botswana, sowie
Kopfontain Border Control in Südafrika
Und zurück
Kopfontain Border Control in Südafrika,
Tlokweng Border Control in Botswana.
Ich gebe zu, man bekommt Übung beim border business, wenn auch nur soviel,
daß man ohne covid clearance wieder auf start zurück muss. Same procedure as
every border, stupid!
Sibylle kann ihre Passnummer aus dem Stegreif aufsagen und in die
allgegenwärtigen Formulare eintragen. Ich habe es bis zum letzten Tag nicht
geschafft und auch die Kennzeichen der ständig wechselnden Fahrzeuge nicht
memoriert.
Bei Mittagstemperaturen um die 35 bis 39 grad Celsius ist es leicht den genervten
Kunden eines Car Rental zum schäumen zu bringen. Man braucht nur das
Kleingedruckte des Mietvertrags vornehmen und alle Punkte penibel durchgehen.
Profiltiefe und Fabrikat der Reifen, das Auto muß gewaschen und gesaugt
zurückgegeben werden … wo gibt’s denn sowas!
Ich musste erst drohen und laut werden, sämtliche Bewertungen und
Rezensionen im Internet mit abschreckenden Kommentaren zu füttern, sodaß die
potentiellen Kunden zur Konkurrenz getrieben werden.
Das hat geholfen. Der junge Servicemitarbeiter verspricht den Wagen selbst zu
waschen und den Fußraum auszusaugen.
Wir wenden dennoch viel zeit auf um klarzumachen, dass der Vertrag jetzt
geändert werden muss, die Mietdauer, der zusätzliche Fahrer, die
unterschiedlichen Grenzübertritte und damit verbundenen Gebühren und
überhaupt…
Zurück in Gaborone erhalten wir nun einen Nissan 4x4 x-trail zur weiteren
Verwendung bis zu unserem Abflug nach Johannesburg und von da nach
Frankfurt.
Jeder sollte mal in Afrika gewesen sein
Jeder sollte mal in Afrika gewesen sein um die Welt in der er lebt besser zu
verstehen. Das Gefühl des Reisenden im südlichen Afrika hängt in der Gegenwart
stark ab von der archaischen Geschichte der letzten Dekaden, die sich bis heute
und in meiner, in dieser, der gegenwärtingen Generation abspielt, auch nach
dem formalen Ende der Apartheid und der fortwährenden Gier der weißen Siedler
nach Land, Gold und Diamanten.
Afrika ist eine zwei oder sogar Mehrklassengesellschaft. Die Abstufung scheint in
der Hautfarbe begründet. Oft erleben wir Mischehen, weiße Männer schwarze
Frauen. Nie andersrum. Und die Kinder sind Coloured (auch Kleurlinge, Cape
Coloured, Bruinmense, Bruin Afrikaners).
Ich bin von der Vielfalt der physischen, der unterschiedlichen sozialen, der selbst
in ärmlichsten so doch ungebrochen lebensbejahenden und fröhlichen
Menschen überwältigt. Es existiert ein universeller, musikalisch geprägter Vibe,
eine oft als Tanzbewegung im Alltag zu verzeichnende Zuckung, meist ohne
hörbare musikalische Anregung, aber auch martialisch laut aus dem
Ghettoblaster.
Individualistisch ist Kleidung und Kopfbedeckung, unbelievable.
Ich empfehle einen Besuch in der Mall of Africa in Johannesburg, Süd Afrika.
Ich war dort. Mit Sibylle.
Einmal scout, immer scout
Die beste Reiseleitung, die man sich wünschen kann. Sibylle war zehn Jahre
Resident in Botswana und hat ihre Zeit, in der sie dem europäischen Winter
entflohen ist, mit Reisen durch die südlichen afrikanischen Länder verbracht.
En Passant ist so ihr Reiseblog entstanden, wie immer sind Sibylles Texte sehr
empfehlenswert, weil strukturiert und konsistent.
Ich bin das erste Mal im südlichen Afrika. Vorher war ich nur dort mit dem Finger
auf einer übersichtlichen Landkarte. Schien mir alles so weit machbar. Ich habe
schon bemerkt, daß die Strecken, die man mit einem Auto zurücklegen kann,
ganz schön weit sind. Na und, dass die Städte und Namen der geographischen
Regionen kaum auszusprechen sind. Es gibt oft bis zu drei Konsonantenfolgen
bei Wortanfängen, die nicht nur schwer laut zu lesen sind, geschweige denn zu
memorieren.
Gottseidank gibt es eine perfekte Reiseleitung, die bereits die Highlights der
Sehenswürdigkeiten und Lodges für die preiswerte Übernachtung in der Planung
gecheckt hat, so daß es kaum Überraschungen gegeben hat.
Baie dankie Mev Sibylle, ke a leboga.
Langstrecken Flüge haben etwas demütigendes
Es ist kein Widerspruch, die Begeisterung selbst mit ganzem Herzen der Fliegerei
verfallen zu sein, sich der dritten Dimension in einem Sportflugzeug hinzugeben
und der unwürdigen Unterwerfung von übertriebenen Sicherheitskontrollen und
schlachtviehartigem Einpferchen in die Angströhre eines Passagierflugzeugs für
mehr als zehn stunden zu ergeben.
Mit gutem Willen kann ich dann nach der Landung mit schmerzenden Gliedern
der Transformation in eine andere Kultur doch noch was Positives abgewinnen.
Ich nenne diesen Vorgang von A nach B durch die Luft transportiert zu werden
nicht FLIEGEN, sondern eher BEAMEN.
In Joburg angekommen, wie der Vielflieger die Destination nennt, befindet man
sich in einer Hochburg an Kriminalität. Warnschilder an den Zufahrtsstraßen zum
Flughafen und in die Stadt und überall hohe Mauern, auf denen obendrauf noch
elektrische geladene Zäune thronen und oft genug zusätzlich noch Nato-
Stacheldraht. Gruselig.
Antrittsbesuche und Aufrüstung
8Nach einstündigem Inlandflug von Johannesburg, Süd Afrika, nach Gaborone,
Botswana werden wir von unserem Autovermieter am Flughafen abgeholt. Die
nächsten Tage sind für die Zusammenstellung der Campingausrüstung bestimmt
und einer Besuchsrunde von Freunden und Bekannten im ehemaligen
Lebensumfeld meiner Partnerin.
Es gilt Vorsorge für die verschiedenen Reiseabschnitte zu treffen. Das Auto, ein
Toyota Prado wird für unsere Zwecke umgebaut. Die zusätzlichen hinteren
Passagiersitze im Kofferraum werden ausgebaut, der Dachgepäckträger
umfunktioniert und zwei 20 ltr. Benzinkanister auf dem Dach montiert. Eine große
Kühlbox mit allerlei Küchenausrüstung, zwei Gaskochern, eine Gaslampe sollen
uns in gewissen Phasen unserer Reise gute Dienste leisten, wie wir heute wissen.
So war ich sehr verwundert, daß eine stattliche Schaufel dringend mit an Bord
kam und eher nachvollziehbar Grillzange und Metallgerüst für Grillroste. Nicht zu
vergessen ein eher bescheidenes Zelt sowie self-inflating mattresses und
Schlafsäcke. Mit jedem Teil der Ausrüstung erkenne ich die Erfahrung aus den
voran gegangenen Expeditionen, die zu diesem minimalistischen, aber
vollständigen Niveau für unsere Reise mit überwiegend self-catering Konzept von
Sibylle vorbereitet wurde.
Es sind vier Reiseabschnitte geplant.
Der Norden Botswana mit Umrundung des Okawango über den Caprivi
strip zurück nach Joburg zu zweit und zum eingewöhnen
Die gemeinsame Tauchaktion in Mosambik zu Viert und unter besonderen
Bedingungen des politischen Protests nach den Wahlen
Die Rundreise in den Weihnachtsferien und Silvester zu fünft und mit
gruppendynamischen Episoden
Endlich zur freien Verfügung und mit ambulanter Planung durch Süd Afrika
und Namibia mit segelfliergerischem Highlight und Begegnungen aus
unserem früheren Leben